Wie du deine Angst verwandeln kannst

Angst ist eine der wichtigsten Grundemotionen. Jeder Mensch kennt sie und auch Babys müssen sie nicht erst erlernen, sondern haben vor Gefahren, die ihr Leben oder ihr Wohlergehen bedrohen auf ganz natürliche Art und Weise Angst. Das Ganze ist auch sehr sinnvoll von der Evolution, denn ohne Angst würden wir wahrscheinlich andauernd in lebensgefährliche Situationen rennen und den Säbelzahntiger, der auf uns zukommt, streicheln wollen. Und trotzdem können wir viele Ängste, die wir heute haben, mit einer anderen Haltung verwandeln oder für uns nutzen.

Ängste hinterfragen

Eine für mich sehr effektive Methode, um Ängste zu hinterfragen, ist danach zu fragen, was im schlimmsten Fall passieren kann. Ganz wichtig dabei ist, nicht nach der ersten Antwort aufzuhören und zu denken „Ohje, das wäre eine Katastrophe!“, sondern weiter zu denken. Das erlaubt dem Gehirn zu begreifen, dass auch ein „Katastrophenfall“ nicht das Ende bedeutet und dass es danach immer weitergeht.

Nehmen wir ein Beispiel:

  • Die Geschäfte schließen, Aufträge werden abgesagt, die Wirtschaft crasht. Ich habe Angst um meinen Job, Angst davor bankrott zu gehen, Angst davor arbeitslos zu werden.
  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
  • Ich werde arbeitslos und habe hohe Schulden. Ich kann mir meine Wohnung nicht mehr leisten und lande vielleicht sogar auf der Straße.
  • Und was passiert dann?
  • Dann müsste ich von vorne anfangen, neue Möglichkeiten suchen. Einen neuen Job, eine neue Verdienstmöglichkeit, eine neue Form des Wohnens. Langsam meine Schulden abbezahlen und anders leben, als ich es vorher gemacht habe.
  • Und was passiert dann?
  • Was kann ich daraus lernen? Wofür bin ich dankbar?
    (Zum Beispiel kann ich dankbar für alles sein, was mir in der Zeit an Unterstützung gegeben wird, ich kann für meine neu gewonnene Stärke dankbar sein oder dafür, das ich die kleinen Dinge des Lebens jetzt anders zu schätzen weiß…)

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel:

  • Ich möchte vor Menschen sprechen, einen Vortrag halten oder ein Seminar leiten. Ich habe Angst davor und fürchte mich zu blamieren.
  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
  • Ich vergesse, was ich sagen wollte, werde rot und alle lachen mich aus.
  • Und was passiert dann?
  • Entweder rede ich weiter über irgendetwas anderes, oder ich höre auf zu reden und mein Vortrag/Seminar wird abgebrochen oder verschoben.
  • Und was passiert dann?
  • Dann probiere ich es nochmal. Und vielleicht nochmal und nochmal. Bis ich entweder herausfinde, dass es nicht meine Aufgabe ist oder bis ich aus jedem Versuch gelernt habe und am Ende meisterhaft vor Menschen reden kann.
  • Was kann ich daraus lernen? Wofür bin ich dankbar?

Diese Art und Weise zu fragen, kann mich im ersten Moment mit meinen Ängsten noch mehr konfrontieren, als es mir lieb ist. Allerdings hat das den Effekt, dass ich die Geschichte in meinem Kopf einmal zu Ende denke und jedes Mal merke, dass es irgendwie immer weiter geht. Je nach Glauben geht es sogar nach dem Tod auch immer weiter.

Nichts bleibt wie es war und alles ist in stetem Wandel. Wenn ich mir selbst erlaube, weniger Widerstand gegen das zu leisten, was passiert, dann kann ich mit diesem Wandel mitschwimmen und in jedem Moment Lernerfahrungen daraus ziehen.

Bedürfnisse hinter Ängsten

Gleichzeitig ist in diesen Beispielen deutlich geworden, dass Ängste mit ganz grundlegenden Bedürfnissen verknüpft sind. Jede Angst will dafür sorgen, dass unsere Bedürfnisse nicht zu kurz kommen.

Wenn ich Angst vor Arbeitslosigkeit oder Geldmangel habe, geht es vielleicht um Wohlbefinden, Sicherheit, Entwicklung und Anerkennung. Auch die Angst davor, vor Menschen zu sprechen hat Bedürfnisse wie Akzeptanz, Zugehörigkeit und Liebe im Sinn.

All diese Bedürfnisse sind in uns, in jedem von uns. Gleichzeitig gibt es unendlich viele verschiedene Arten und Weisen, diese Bedürfnisse zu leben. Daran schließt sich die zweite Möglichkeit an, wie ich mit Ängsten umgehen kann:

Verbinde dich mit dem Bedürfnis hinter deiner Angst. Setz dich dazu an einen ruhigen Ort und stelle dir selbst folgende Fragen:

  • Wovor habe ich Angst?
  • Welches Bedürfnis steckt hinter dieser Angst?
  • Ist dieses Bedürfnis auf andere Weise erfüllbar?
  • Wo kann ich dieses Bedürfnis in meinem Körper spüren? Wie fühlt es sich an? Kann ich dieses Gefühl stärker machen? Welchen Anker* kann ich mir setzen, um mich an dieses Gefühl zu erinnern?

*Anker können zum Beispiel ein Bild, eine Bewegung, eine Metapher, ein Symbol oder ein Schmuckstück sein, die mich immer wieder an eine bestimmte Erfahrung erinnern. Düfte oder Musik sind beispielsweise oft ganz unbewusste Anker, die uns in bestimmte Zustände zurückversetzen.

Add A Comment